„Stëmm“ war während des Lockdowns niemals geschlossen und wir haben den Zugang zu Nahrung für alle bedürftigen Personen garantiert . Wegen der Abstandsregeln mussten wir von März bis Juni 2020 die Mahlzeiten auf dem Gehsteig verteilen. Später, konnten wir 20 Personen während 30 Minuten in das Sozialrestaurant reinlassen.
Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Bedingungen die sozialen Kontakte nicht auf dem üblichen Niveau gepflegt werden konnten, und das ist ja das, was die Menschen, die in die „Stëmm“ kommen, suchen. Reden, Beachtung finden, Zeit mit anderen verbringen, sich in Sicherheit ausruhen oder einfach kommen, um eine Tasse Kaffee zu trinken - all das war während der Pandemie nicht mehr möglich und hat sowohl unsere Bedürftigen als auch unsere Teams belastet. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig soziale Beziehungen sind. Die Bedürftigen waren dankbar, dass wir für sie offen geblieben sind.
Viele Firmen und Privatpersonen sind während dieser Zeit aktiv geworden, um die „Stëmm vun der Strooss“ zu unterstützen, was uns darin bestärkt hat, über uns hinauszuwachsen, damit unsere Bedürftigen von den zahlreichen ihnen zur Verfügung stehenden Diensten profitieren können. Der Friseur kam, um auf der Straße die Haare zu schneiden, Gastronomen sind gekommen, um mit ihrer Brigade Mahlzeiten zuzubereiten, während ihre Betriebe geschlossen waren, Partyservices haben uns beliefert ... all dieses Engagement hat ein wenig Freude in den Alltag gebracht.
Für diejenigen, die eine Wohnung haben, auch wenn sie nur spartanisch eingerichtet ist, hat sich der Lockdown als genauso schwer erwiesen wie für diejenigen, die auf der Straße leben. Denn abgeschnitten von jeglichem sozialen Kontakt und jeglicher beruflicher Tätigkeit sind die, die vor dem Lockdown stabil waren, wieder den Drogen, dem Alkohol und den Medikamenten verfallen. Ihre Gesundheit hat sich schnell verschlechtert und wir mussten deshalb leider mehr Todesfälle beklagen als in den Jahren zuvor.
Wir haben auch die Ankunft einer neuen Klientel erlebt: Menschen, deren Zeit- oder befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde. Die Anforderungen an unsere Dienste haben sich verändert, was eine schnelle Anpassung notwendig gemacht hat, um besser darauf reagieren zu können.
Da die kostenlosen Arztsprechstunden, der Umkleideraum und die Duschen vorerst nicht mehr zur Verfügung gestellt werden konnten, waren viele Kunden nun auf sich alleine gestellt und ihre Gesundheit und Hygiene verschlechterte sich dramatisch.